Invited Pre-Congress Half Day Workshops in German

The Half Day Workshops will take place from 09.00 – 12.30 or 13.30 – 17.00 on Wednesday 17th July 2019.


CBASP: Wo KVT, Psychoanalyse, und interpersonelle Ansätze sich kreuzen
Eva-Lotta Brakemeier und Isabel Schamong, Philipps-Universität MarburgGermany


Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy (CBASP): Wo KVT, Psychoanalyse, und interpersonelle Ansätze sich kreuzen
Eva-Lotta Brakemeier und Isabel Schamong, Philipps-Universität Marburg, Deutschland

Das Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy (CBASP) wurde von McCullough störungsspezifisch für chronisch bzw. persistierend depressive PatientInnen entwickelt. In CBASP werden schulenübergreifend behaviorale, kognitive, psychodynamische und interpersonelle Strategien integriert.

Im Workshop wird zunächst die spezifische Psychopathologie der chronischen Depression herausgearbeitet, die durch frühe Misshandlungserfahrungen, eine Wahrnehmungsentkopplung von der Umwelt sowie interpersonelle Probleme gekennzeichnet ist. Danach wird praxisnah unterstützt durch Videobeispiele, Demonstrationen und Übungen gezeigt, wie die spezifischen CBASP-Strategien (Liste prägender Bezugspersonen, Übertragungshypothese, Interpersonelle Diskriminationsübung, Kiesler Kreis, Situationsanalyse, Diszipliniertes Persönliches Einlassen) direkt an dieser Psychopathologie ansetzen. Abschließend wird die aktuelle Studienlage hinsichtlich der Wirksamkeit und der Grenzen des Ansatzes vorgestellt, wobei darauf basierende Weiterentwicklungen wie CBASP@OldAge und CBASPersonalized zur Diskussion gestellt werden.

Insbesondere soll im Workshop immer wieder diskutiert werden, ob und wie sich die KVT, Psychoanalyse und interpersonelle Ansätze im Rahmen der CBASP-Therapie kreuzen

 

Lernziele:

  1. Auseinandersetzung mit der spezifischen Psychopathologie der chronischen / persistierenden Depression
  2. Praxisnahes Kennenlernen aller CBASP-Strategien
  3. Erhalten eines Überblicks zur Forschungslage zu CBASP einschl. Indikation, Möglichkeiten und Grenzen
  4. Erkennen, wo sich KVT, Psychoanalyse, und interpersonelle Ansätze kreuzen

 

Bedeutung für die Klinische Praxis der KVT

CBASP lässt sich am besten als eine interpersonelle Lerntherapie verstehen, wodurch die Nähe zur KVT deutlich wird. Im Vergleich zur traditionellen KVT werden KVT-Therapeuten weitere Strategien vorgestellt, welche insbesondere hilfreich erscheinen zum Umgang mit interaktionell schwierigen Situationen in der Psychotherapie (wie z.B. Umgang mit wütenden, suizidalen, vermeidenden, reaktanten, verliebten Patienten).

 

Kurze Informationen zum/r  Workshopleiter/in bzw. zu den Workshopleiter/innen
Seit Mai 2016: Univ.-Professur für Psychotherapieforschung an der Philipps-Universität Marburg (Stiftungsprofessur der Schön Kliniken).
2012-2016: Professur für Klinische Psychologie und Psychotherapie im Schwerpunkt Verhaltenstherapie und schulenübergreifende Verfahren an der Psychologischen Hochschule Berlin (PHB).
2007-2012: Klinische Psychologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinik Freiburg (Prof. M. Berger); Leiterin der Arbeitsgruppe: „Stationäre Psychotherapieforschung der Depression “; Zertifizierung als IPT- und CBASP-Therapeutin, -Supervisorin und -Trainerin. Entwicklung, Implementierung und Evaluation des stationären CBASP-Konzeptes.
(IPT = Interpersonelle Psychotherapie; CBASP = Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy)
2003-2007: Ausbildung zur Psychologischen Psychotherapeutin bei der Deutschen Gesellschaft für Verhaltenstherapie in Berlin, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Charité (Universitätsklinikum, Campus Benjamin Franklin; Prof. I. Heuser) sowie Promotion zum Dr. rer. nat. an der Humboldt Universität Berlin bei Prof. N. Kathmann.
1998-2003: Diplom-Psychologiestudium an der Freien Universität Berlin.
1995-1999: Diplom-Musikstudium an der Franz-Liszt Hochschule in Weimar.

 

Literatur

Brakemeier EL & Normann C (2012). Praxisbuch CBASP. Behandlung chronischer Depression. Weinheim: Beltz Verlag.

Brakemeier EL & Buchholz A (2013). Die Mauer überwinden. Wege aus der chronischen Depression. Weinheim: Beltz Verlag.

Negt, P., Brakemeier, E.L., Michalak, M., Winter, L., Bleich, S., Kahl, K.G. (2016). The treatment of chronic depression with Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy (CBASP): A systematic review and meta-analysis of randomized-controlled clinical trials. Brain and Behavior, 2016; 0(0), e00486, DOI: 10.1002/brb3.486.


Mitgefühl in der Paartherapie
Beate Ditzen & Corina Aguilar-Raab, Universitätsklinikum Heidelberg, Germany


Mitgefühl in der Paartherapie: Einführung und psychobiologische Auswirkungen für Partnerschaft und Gesundheit
Beate Ditzen und Corina Aguilar-Raab, Universitätsklinikum Heidelberg, Deutschland

 

Partnerschaft und Paarinteraktionen haben einen bedeutenden Einfluss auf die psychische und körperliche Gesundheit und sogar auf das Überleben des Einzelnen. Dieser Einfluss wird über psychobiologische – u.a. über hormonelle – Mechanismen vermittelt. Im Workshop wird der Frage nachgegangen, wie Hormone in konkreten Paarinteraktionen wirken und umgekehrt – ob und wie das Paarverhalten einen Einfluss auf Hormone hat. Aus diesen Daten der Grundlagenforschung werden Implikationen und konkrete Methoden für die Psychotherapie abgeleitet. Am Beispiel einer Achtsamkeits- und Mitgefühlsbasierten Gruppenintervention für Paare wird dies anschaulich beleuchtet.

 

Lernziele:

  1. Kenntnis über Zusammenhänge von Paarinteraktion und Gesundheit mit besonderem Bezug zu Achtsamkeit und Mitgefühl
  2. Kenntnis über bedeutende psychobiologische Mediatoren
  3. Kenntnis über Achtsamkeits- und Mitgefühlsbasierte Interventionen bei Paaren und ihren Einfluss auf Partnerschaftsqualität und psychobiologische Vermittler

 

Bedeutung für die Klinische Praxis der KVT

Der Workshop soll die Bedeutung des Paarkontextes für psychische Störungen und deren Behandlungen herausarbeiten unter besonderer Berücksichtigung von Variablen, die die Interaktionsfähigkeit betreffen. Hierzu gehören Achtsamkeit und Mitgefühl als Qualitäten einer aktiven und erlernbaren Beziehungsgestaltung, die sich nicht nur auf die Psychopathologie sondern auch auf die physische Gesundheit Einzelner bezieht.

 

Kurze Informationen zum/r  Workshopleiter/in bzw. zu den Workshopleiter/innen
Frau Prof. Dr. Beate Ditzen leitet das Institut für Medizinische Psychologie am Universitätsklinikum der Universität Heidelberg. Sie forscht und lehrt zur Psychobiologie der Bindung, zum Einfluss sozialer Beziehungen auf die hormonelle Stressantwort und konkret zu neuroendokrinen Faktoren der Paarinteraktion. Als approbierte Psychologische Psychotherapeutin (Schwerpunkte kognitive Verhaltenstherapie und systemische Paartherapie) behandelt sie PatientInnen mit körperlichen oder psychischen Erkrankungen vorzugsweise im Paarsetting.

 

Frau Dr. Corina Aguilar-Raab ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Institut für Medizinische Psychologie am Universitätsklinikum Heidelberg. Ihr Forschungsinteresse richtet sich auf den Einfluss von Achtsamkeit und Mitgefühl auf die psychische Gesundheit bei Paaren. Insbesondere soziale Kognitionen und die Interaktionsfähigkeit bei Depressionen stehen hierbei im Fokus. Als Psychologische Psychotherapeutin in Ausbildung, Paartherapeutin und Cognitively-Based Compassion Trainerin behandelt sie u.a. Paare im Gruppensetting.

 

Literatur

Frisch J, Aguilar-Raab C, Eckstein M, Ditzen B. Einfluss von Paarinteraktion auf die Gesundheit – Implikationen für die Psychotherapie. Psychotherapeut. 2017;62(1):59-76

Diedrich, A Mitgefühlsfokussierte Interventionen in der Psychotherapie. 2016. Göttingen: Hogrefe.


Offen und Engagiert: der Beitrag von ACT
Andrew Gloster, Universität Basel, Switzerland

Offen und Engagiert: Der Beitrag von ACT
Andrew Gloster , Universität Basel, Schweiz

Die Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) ist eine neuere Entwicklung innerhalb der Verhaltenstherapie, deren Ziel die Verbesserung „psychischer Flexibilität“ ist. Viele Studien zeigen, dass psychisches Leid entsteht, wenn Menschen versuchen, ihr inneres Erleben zu vermeiden (experiential avoidance). Denn Erlebnisvermeidung führt oft zu rigidem und unflexiblem Verhalten und damit zur Beeinträchtigung problem- und zielbezogenen Handelns. ACT-Klienten lernen, dass Erlebnisvermeidung keine Lösung, sondern das eigentliche Problem ist. Sie lernen zu unterscheiden, was sie kontrollieren und was sie nicht kontrollieren können. Durch Praktizieren von Achtsamkeit und Akzeptanz gelangen sie zu größerer Flexibilität im Umgang mit aversiven Körperempfindungen, Gedanken und Gefühlen. Sie wählen und formulieren wieder persönlich wichtige Lebensziele, was sie im Kampf gegen ihr eigenes Erleben oft lange vernachlässigt haben, und lernen, diese trotz emotionaler und kognitiver Barrieren wieder in Handlungen umzusetzen, um so wieder ein wert- und sinnerfülltes Leben zu führen.

 

Lernziele:

  1. Verstehen und üben wie „Offenheit“ und „Engagement“  in der Therapie benutzt  werden kann
  2. Verstehen, wie aus Emotionen, Gedanken, und Gefühlen Störungen entstehen
  3. Üben von Metaphern

Bedeutung für die klinische Praxis der KVT

Das ACT Model wird flexibel angewendet. Teilnehmer lernen wie „Offenheit“ und „Engagement“ dabei eingesetzt werden können. Dabei werden Symptome nicht als Barrieren erlebt.

 

Kurze Informationen zum  Workshopleiter
Prof. Andrew Gloster ist Leiter der Abteilung Klinische Psychologie und Interventionswissenschaft der Universität Basel. Er hat über 70 Publikationen, Bücher und Therapiemanuale geschrieben/verfasst. Seine Forschung widmet er behandlunsresistenten Patienten sowie Kontexten die Wohlbefinden und Pro-soziales Verhalten fördern. Er ist Psychotherapeut und leidenschaftlicher Mentor. 

 

Literatur

Waadt, M., Martz, J., & Gloster, A. T.; Eds. (2015). Arbeiten mit Akzeptanz und Commitment Therapie: Fallstudien. Hans Huber: Bern.

Eifert, G. & Gloster, A. T. (2016). ACT bei Angststörungen: Ein praktisch bewährtes Therapiemanual [ACT for Anxiety Disorders: A Practical and Tested Therapy Manual.] Hegrefe: Göttingen.

Gloster, A.T., Klotsche, J., Ciarrochi, J., Eifert, G., Sonntag, R., Wittchen, H.-U., & Hoyer, J. (2017). Increasing Valued Behaviors Precedes Reduction in Suffering: Findings from a Randomized Controlled Trial using ACT. Behaviour Research and Therapy, 91, 64-71.


Ein Gruppentraining für Mütter mit Borderline Störung
Babette Renneberg, Freie Universität Berlin, Germany
Charlotte Rosenbach, Freie Universität Berlin, Germany


Borderline und Mutter sein – wie kann das gelingen? Ein Gruppentraining für Mütter mit Borderline Störung
Babette Renneberg und Charlotte Rosenbach, Freie Universität Berlin, Deutschland

 

Schwierigkeiten in der Emotionsregulation und eine instabile Beziehungsgestaltung sind Hauptmerkmale der Borderline Persönlichkeitsstörung (BPS).  Permanente Krisen und extreme Schwankungen in der Stimmung, dem Selbstwert und der Identität gehören zum Alltag der Betroffenen. In Stresssituationen reagieren sie häufig impulsiv und selbstschädigend, zeigen missbräuchlichen Substanzkonsum oder selbstverletzendes Verhalten.

Mütter mit einer BPS sind daher bei der Erziehung ihrer Kinder mit besonderen Herausforderungen konfrontiert. Kinder von Müttern mit BPS haben ein erhöhtes Risiko für eine maladaptive Entwicklung. Um den Teufelskreis der Weitergabe von Problemen der Emotionsregulation zu durchbrechen und Mütter mit BPS in ihrer Erziehungsaufgabe zu unterstützen, wurde ein Gruppentraining auf Basis von kognitiv-verhaltenstherapeutischen Techniken und Ansätzen der Dialektisch-behavioralen Therapie (DBT) konzipiert. Zentrales Anliegen ist es, positive Interaktionsmuster und Erziehungskompetenzen zu stärken und somit eine gesunde Entwicklung der Kinder zu fördern. Im Workshop wird das konkrete praktische Vorgehen demonstriert (Video) und in Rollenspielen geübt.

 

Lernziele:

  1. Verständnis entwickeln für die besonderen Schwierigkeiten und Herausforderungen von Müttern mit BPS
  2. Einblick in das Training „Borderline und Mutter sein“ gewinnen
  3. Erfahrungen in der Anwendung von Methoden und Techniken des Trainings sammeln

 

Bedeutung für die Klinische Praxis der KVT

Bei der Behandlung der BPS (so wie auch anderer psychischer Störungen) stehen vorwiegend die Probleme der Patient*innen selbst im Fokus. Meist geht es zunächst um die Reduktion selbstverletzenden Verhaltens, die Förderung von Emotionsregulationsstrategien und einer adäquaten Beziehungsgestaltung. Auch wenn Einzeltherapeut*innen um die Kinder der Patient*innen wissen, werden diese bzw. die Schwierigkeiten mit der Mutterrolle selten thematisiert.

Der Workshop soll zum einen auf die Notwendigkeit, die Kinder vor Müttern mit BPS „mitzudenken“, hinweisen. Zum anderen sollen konkrete Interventionsstrategien für die Praxis vermittelt werden. Das Training „Borderline und Mutter sein“ ist das erste störungsspezifische Manual für die Förderung von Erziehungskompetenzen von Müttern mit BPS.

 

Kurze Informationen zum/r  Workshopleiter/in bzw. zu den Workshopleiter/innen

Prof. Dr. Babette Renneberg ist Professorin für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Freien Universität Berlin (FU Berlin). Sie leitet die Hochschulambulanz für Psychotherapie, Diagnostik und Gesundheitsförderung der FU Berlin und den Ausbildungsgang für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie am Zentrum für seelische Gesundheit der FU Berlin.

 

Dr. Charlotte Rosenbach ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychotherapie der FU Berlin und approbierte Verhaltenstherapeutin.

 

Frau Renneberg und Frau Rosenbach haben gemeinsam mit Frau Buck-Horstkotte das Manual „Borderline und Mutter sein“ konzipiert und publiziert. Beide führen das Gruppentraining aktuell durch. Eine multizentrische Evaluation des Trainings steht bevor.

 

Literatur

Buck-Hostkotte, S., Renneberg, B.  & Rosenbach, C. (2015). Mütter mit Borderline-Persönlichkeitsstörung. Das Trainingsmanual »Borderline und Mutter sein«. Weinheim: Beltz.

Renneberg, B., Rosenbach, C. (2016). “There is not much help for mothers like me”: Parenting Skills for Mothers with Borderline Personality Disorder – a newly developed group training program. Borderline Personality Disorder and Emotion Dysregulation. DOI: 10.1186/s40479-016-0050-4.


Verhaltenstherapie mit Kindern und Jugendlichen im Jahr 2019: Inspiration und Innovation
Silvia Schneider, Universität Bochum, Germany

Behandlung von Trennungsängsten und Phobien im Kindesalter
Silvia Schneider, Ruhr-Universität Bochum, Deutschland

Trennungsängste und Spezifische Phobien gehören zu den frühesten Angststörungen im Kindesalter und sie sind zugleich Schrittmacher für Angststörung, Depressionen und Substanzmissbrauch/-abhängigkeit im Erwachsenenalter. Die frühe Behandlung dieser Störungsbilder ist somit dringend geraten, um langfristig ungünstige, schwere Verläufe zu verhindern. Im Workshop wird ein speziell auf diese Ängste zugeschnittenes Behandlungsprogramm das „TrennungsAngstprogramm Für Familien (TAFF)“ vorgestellt. Es handelt sich hierbei um einen familienbasierten Behandlungsansatz bestehend aus 4 Sitzungen mit dem Kind, 4 Sitzungen mit den Eltern und 8 Sitzungen mit Eltern und Kind gemeinsam. Inhalte des Therapieprogramms sind Psychoedukation, die Bearbeitung dysfunktionaler Gedanken der Eltern und des Kindes, Förderung der Erziehungskompetenzen der Eltern, Autonomieförderung des Kindes sowie hochfrequente Konfrontationsübungen in vivo. Die Effektivität bis zu einem Jahr nach Abschluss des TAFF-Programms konnte in zwei randomisierten kontrollierten Studien bei Kindern im Alter zwischen 5 und 14 Jahren nachgewiesen werden. Es zeigte sich, dass der explizite Einbezug der Eltern in die Behandlung des Kindes vergleichbar gute Behandlungsergebnisse erbringt wie Behandlungsansätze, bei denen das Kind alleine behandelt wird. Diese Befunde decken sich mit Studienergebnisse anderer Forschergruppen aus Europa, USA und Australien. Ein aktuelles durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördertes Projekt versucht in einer groß angelegten multizentrischen Studie diese Befunde genauer zu untersuchen und differentielle Effekte für einen familienbezogenen vs. Kind-alleine Behandlungsansatz zu analysieren (www.kiba-studie.de).

 

Bedeutung für die Klinische Praxis der KVT

Angststörungen im Kindesalter sind Schrittmacher für Psychopathologie des Erwachsenenalters und keine zeitbegrenzten flüchtigen Entwicklungsexzesse. Die Früherkennung und Behandlung ist daher dringend geboten. Wie auch im Erwachsenenalter ist die Konfrontation in vivo der zentrale Wirkmechanismus für die Behandlung. Gleichzeitig scheint jedoch gerade für das Kindesalter eine gewisse Zurückhaltung bei der Anwendung dieser effektiven Methode vorzuliegen. Der Kurs möchte u.a. auf aktuelle Neuentwicklung in der Konfrontation von Ängsten im Kindesalter eingehen und Mythen und Ängste in der praktischen Umsetzung dieses Behandlungsansatzes diskutieren. Fallbezogen wird die erfolgreiche und altersadäquate Umsetzung von hochfrequenter Konfrontation bei Kindern (mit/ohne Elterneinbezug) eingeübt.

 

Kurze Informationen zum/r  Workshopleiter/in bzw. zu den Workshopleiter/innen

Silvia Schneider ist Professorin für Klinische Kinder- und Jugendpsychologie und Direktorin des Forschungs- und Behandlungszentrum für psychische Gesundheit an der Ruhr-Universität Bochum in Bochum. Silvia Schneiders Arbeitsschwerpunkte sind Angststörungen des Kindes- und Jugendalters, Regulationsstörungen im Kleinkindalter, Familiale Transmission emotionaler Störungen, klinisch-psychologische Diagnostik mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Sie absolvierte ihr Psychologiestudium an den Universitäten Mannheim und Marburg und ist seit 2004 Professorin für Klinische Kinder und Jugendpsychologie (2004-2010 Universität Basel, danach Ruhr-Universität Bochum). Frau Schneider hat mehrere Bücher im Bereich Klinische Psychologie und Verhaltenstherapie publiziert und ist Autorin von über 100 wissenschaftlichen Publikationen. Seit 2013 ist sie Mitglied der Kommission Psychologie und Psychotherapie der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs) zur Begleitung der Reform des Psychotherapeutengesetzes in Deutschland und seit 2018 ist sie Sprecherin der Fachgruppe Klinische Psychologie und Psychotherapie der DGPs.

 

Literatur

Schneider, S. & Blatter-Meunier, J. (2018). Trennungsangst. In: S. Schneider & J. Margraf (Hrsg.). Lehrbuch der Verhalternstherapie, Band 3.

Schneider, S., & Borer, S. (2007). Nur keine Panik. Was Kinder über Panik wissen sollten. Zürich: pro juventute.

Lippert, M., Pflug, V., Lavallee, K., & Schneider, S. (in press). Enhanced Family Approaches for the Anxiety Disorders. In L. J. Farrell, T. H. Ollendick, & P. M. Muris (Hrsg.), Innovations in CBT for Childhood Anxiety, OCD, and PTSD: Improving Access and Outcome. Cambridge: Cambridge University Press.


Therapie der PTBS: Cognitive Restructuring and Imagery Modification
Regina Steil und Meike Müller-Engelmann, Universität Frankfurt, German


Cognitive Restructuring and Imagery Modification: Eine Neue imaginationsbasierte Therapie zur Behandlung der Posttraumatischen Belastungsstörung
Regina Steil, Universität Frankfurt und Meike Müller-Engelmann, Goethe Universität Frankfurt, Deutschland

 

Cognitive Restructuring and Imagery Modification (CRIM) ist eine neue Kurzintervention, die zunächst entwickelt wurde, um das Gefühl der Beschmutztheit bei Opfern sexualisierter Gewalt zu reduzieren. Die Intervention beginnt mit einer kognitiven Umstrukturierung. Hierbei wird berechnet, wie oft sich die Hautzellen der Patientin seit dem letzten Kontakt mit dem Täter erneuert haben. Da das rationale Wissen alleine oft nicht ausreicht, um die Gefühle der Patientin wirkungsvoll zu verändern (Steil, Jung & Stangier, 2011), greift der zweite Teil der Intervention auf imaginative Techniken zurück, die eine größere Nähe zu realen Erfahrungen aufweisen als kognitive Interventionen alleine.

In einer randomisiert kontrollierten Studie erwies sich CRIM nicht nur als wirksam zur Verringerung des Gefühls der Beschmutztheit, sondern war auch mit einer bedeutsamen Reduktion der Symptome der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) verbunden (Jung & Steil, 2013).Die Intervention wurde deshalb in einem zweiten Schritt erweitert, um auch andere belastende Selbstbilder bei PTBS-Patienten verändern zu können (Müller-Engelmann & Steil, 2016). Beispiele hierfür sind der Eindruck, der Welt nach einem Überfall hilflos ausgeliefert zu sein oder sich nach einer sexuellen Gewalterfahrung wertlos zu fühlen. In einer Pilotstudie zeigten sich dabei starke Effekte auf die Symptome der PTBS (Cohen’s d =2.53 in der Clinician Administered PTSD Scale).

Im Verlauf des Workshops soll CRIM mittels Videobeispielen zunächst vorgestellt werden. Anschließend erhalten die Teilnehmer die Gelegenheit, die Interventionen im Rahmen von kurzen Rollenspielen selbst auszuprobieren.

 

Lernziele:

  1. Vermittlung von Informationen über den theoretischen Hintergrund von CRIM
  2. CRIM zur Reduktion des Gefühls der Beschmutzheit kennen lernen
  3. CRIM zur Reduktion anderer belastender Selbstbilder und als Kurzintervention zur Behandlung der PTBS kennen lernen
  4. die Anwendung von CRIM praktisch ausprobieren und erlernen

 

Bedeutung für die Klinische Praxis der KVT

Bei CRIM handelt es sich um eine Kurzintervention, die sowohl mit anderen etablierten und evidenzbasierten Interventionen zur Behandlung der PTBS, z.B. Expositionsbehandlung und kognitive Therapie, kombiniert werden kann als auch als alleinige Intervention eingesetzt werden kann, wenn wenig Zeit für eine Behandlung zur Verfügung steht.

Ein weiterer Anwendungsbereich besteht darin, die Intervention zu nutzen, um zu Beginn einer längeren Behandlung schnelle erste Erfolge zu erzielen und hierdurch die Behandlungsmotivation vor allem stark betroffener Patientinnen und Patienten zu erhöhen.

 

Kurze Informationen zum/r  Workshopleiter/in bzw. zu den Workshopleiter/innen

Regina Steil

Dr. rer. nat. Dipl.-Psych. Psychologische Psychotherapeutin und Supervisorin (Schwerpunkt kognitive Verhaltenstherapie). Wissenschaftliche Geschäftsführerin der Verhaltenstherapie-Ambulanz der Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie der Goethe-Universität Frankfurt am Main, Mit- Herausgeberin der Zeitschrift Trauma und Gewalt.

Past President der Deutschsprachigen Gesellschaft für Psychotraumatologie. Supervisoren- und Dozententätigkeit im Bereich der Traumatherapie. 

 

Meike Müller-Engelmann

Dr. rer. nat. Dipl.-Psych. Psychologische Psychotherapeutin und Supervisorin (Schwerpunkt kognitive Verhaltenstherapie). Zusatzqualifikation in Psychotraumatologie (DeGPT). Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie und stellvertretende Leiterin der Verhaltenstherapie-Ambulanz der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Supervisoren- und Dozententätigkeit im Bereich der Traumatherapie. 

 

Literatur

Jung, K., & Steil, R. (2013) A Randomized Controlled Trial on Cognitive Restructuring and Imagery Modification to Reduce the Feeling of Being Contaminated in Adult Survivors of Childhood Sexual Abuse Suffering from Posttraumatic Stress Disorder. Psychotherapy and Psychosomatics, 82, 213-220.

Müller-Engelmann, M., & Steil, R. (2016) Cognitive restructuring and Imagery Modification for Posttraumatic Stress Disorder (CRIM-PTSD): A Pilot Study. Journal of Behavior Therapy and Experimental Psychiatry, 54, 44-50.

Steil, R., Jung, K., & Stangier, U. (2011) Efficacy of a Two-Session Program of Cognitive Restructuring and Imagery Modification to Reduce the Feeling of Being Contaminated in Adult Survivors of Childhood Sexual Abuse: A Pilot Study. Journal of Behavior Therapy and Experimental Psychiatry, 42, 325-329.